Magazin Tintin – Ursprung vieler frankobelgischer Comics
Wer sich mit frankobelgischen Comics beschäftigt, kommt an einem Namen kaum vorbei: dem Magazin Tintin (französisch: Le Journal de Tintin, niederländisch: Kuifje). Über viele Jahrzehnte hinweg war es eine der wichtigsten „Plattformen” für frankobelgische Comics und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass zahlreiche heute bekannte Serien überhaupt entstehen konnten.
Die Entstehung nach dem Zweiten Weltkrieg
Das Magazin wurde im Jahr 1946 in Belgien gegründet, also in einer Zeit des Umbruchs. Europa befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Wiederaufbau und auch die Unterhaltungsbranche musste sich neu orientieren. Der belgische Comicverleger Raymond Leblanc, Gründer des Verlags Le Lombard, hatte die Idee, ein wöchentlich erscheinendes Comicmagazin zu etablieren, das junge Leser begeistern würde.
Namensgeber und Aushängeschild war von Anfang an die Figur Tim und Struppi von Hergé. Dank der Popularität dieser Serie erhielt das Magazin schnell Aufmerksamkeit und konnte sich am Markt etablieren. Die erste Ausgabe von „Tintin” erschien am 26. September 1946.
Mehr als nur Tim und Struppi
Auch wenn Tim und Struppi im Mittelpunkt standen, entwickelte sich das Magazin rasch zu einer Bühne für viele weitere Serien und Künstler. Es war ein Ort, an dem neue Ideen ausprobiert wurden und an dem Zeichner ihre Geschichten einem breiten Publikum präsentieren konnten.
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts war die Veröffentlichung in Fortsetzungen. Die Leser begleiteten die Geschichten Woche für Woche, meist nur ein bis zwei Seiten pro Ausgabe, bevor diese später gesammelt als Alben erschienen. Viele bekannte frankobelgische Comicserien hatten ihren Ursprung im Magazin Tintin oder wurden dort maßgeblich geprägt.
Zu den wichtigsten Serien gehören unter anderem „Blake und Mortimer”, die mit ihren anspruchsvollen Krimi- und Abenteuergeschichten schnell zu einem Aushängeschild des Magazins wurden. Auch Michel Vaillant, eine der bekanntesten Rennfahrer-Serien Europas, erschien zunächst im Tintin-Magazin und entwickelte sich dort zu einem Dauerbrenner.
Ein weiteres Beispiel ist „Dan Cooper”, eine Serie rund um einen Kampfpiloten, die besonders durch ihren realistischen Stil auffiel. Auch „Rick Master” wurde im Magazin veröffentlicht und zählt bis heute zu den bekanntesten frankobelgischen Serien.
Der typische „Tintin-Stil“ – ligne claire
Ein prägendes Element des Magazins war auch der Zeichenstil der meisten Künstler. Die sogenannte „Ligne claire“ (klare Linie) wurde vor allem durch Hergé bekannt, der diesen Stil bereits in seinen frühen „Tim und Struppi“-Abenteuern verwendete, spätere Zeichner maßgeblich beeinflusste und wofür die frankobelgische Comicwelt bis heute bekannt ist.
Charakteristisch hierfür sind saubere Konturen, übersichtliche Bildaufteilungen sowie detailreiche, aber nie überladene Hintergründe. Dieser Stil sorgt dafür, dass die Geschichten leicht verständlich bleiben und visuell sehr klar wirken.
Viele Zeichner im Magazin übernahmen diesen Ansatz und entwickelten ihn weiter. Dadurch entstand ein einheitlicher Look, der bis heute eng mit frankobelgischen Comics verbunden ist.
Konkurrenz zu Spirou
Parallel zum Magazin Tintin gab es mit Spirou ein weiteres großes Comicmagazin. Zwischen den beiden entwickelte sich über Jahre hinweg ein regelrechter Wettbewerb.
Das Ende des Magazins
Das Magazin Tintin wurde schließlich im Jahr 1988 eingestellt. Zwar gab es mit „Tintin Reporter“ und „Hello Bédé“ zwei Nachfolger, doch auch diese wurden bereits 1989 bzw. 1993 wieder eingestellt, sodass das Magazin Tintin endgültig Geschichte ist. Damit endete eine wichtige Ära, doch der Einfluss des Magazins blieb bestehen. Viele der dort veröffentlichten Serien wurden zu Klassikern und sind bis heute beliebt und werden neu aufgelegt.